Hillscheid

Hillscheider Geschichte und Geschichten in Veröffentlichungen

von Otmar Menne
 


 

Hiensceit – Hyrscheid – Hiltscheid

 

Drei von fünf Ortsbezeichnungen im Laufe von 1000 Jahre Hillscheider Geschichte - und diese Geschichte interessierte mich seit meiner Jugend. Aber nicht nur der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Ortes galt meine Aufmerksamkeit, sondern ich wollte einfach erfahren, wie lebten die Menschen, wie bestimmten sie ihren Alltag im Dorf? Erinnerungen, Bräuche, Geschichten, Kuriositäten veranlassten mich, drängten sich regelrecht auf, ihrem Verlauf nachzugehen, ihre Hintergründe zu verstehen, um sie dann in Schilderungen und Erzählungen zu fassen. So entstand meine BÄ(EE)RENAUSESE I 

Ein Büchlein mit Schilderungen z. B. >Buß- und Bettag - für die Hillscheider weder Buß- noch Bettag<, >Neonationale Konteraktionen in Hillscheid<, >Courage Civique – der ganz persönliche Befreiungskrieg des Jakob Breiden<, >Hoflieferanten – belieferten die Hillscheider Euler die Royals< usw.


BÄ(EE)RENAUSESE II beinhaltet Begegnungen mit Menschen vergangener Zeiten und zeigt uns unverstellte, unangepasste Persönlichkeiten, Individualisten mit bewundernswertem Schalk und noch mehr Phantasie. Über 40 wahre, aber auch skurrile und schrullige Erzählungen von und über die jeweiligen Zeitgenossen konnte ich sammeln und alle beinhalten im Kern das Thema, das Oskar Wilde zum Ausdruck brachte:
>In der Stadt lebt man zu seiner Unterhaltung, auf dem Lande zur Unterhaltung der anderen<
Das Titelbild von Eberhard Lerchen zeigt in bestechender Ausdruckskraft das letzte Hillscheider Original, >ein Echter Typ, der Knubbe<.

 

BÄ(EE)RENAUSESE I BÄ(EE)RENAUSLESE II


Anfang der vierziger Jahre  hatte mein Onkel Sepp, Josef Duck, die seit längerer Zeit aus Altersgründen stillgelegte Krugbäckerei von Nachbar, Menningen – früher Mennicken, ein alte Töpfersippe aus Raeren – neu aktiviert und die Produktion von Steinhäger-Krügen aufgenommen. Der Betriebshof grenzte unmittelbar an die Rückseite unseres Wohnhauses und was sich dort ständig ereignete für einen kleinen Jungen natürlich mächtig anziehend.
Die Arbeiten im Aedkaeller (Tonaufbereitung), die maschinelle Fertigung, vor allen Dingen aber der rauchende, flammende und fauchende Brennofen - prägende Eindrücke, die mich heute noch faszinieren und letztlich meine spätere Passion zum heimatlichen Steinzeug bewirkten.


So konnte ich mir mit den Jahren ein kleine Sammlung an Westerwälder Gefäßkeramik aufbauen, die ich jeweils mit reich bebilderten Arbeiten dokumentierte.
 

HISTORISMUS - WESTERWÄLDER STEINZEUG VON 1850 – 1900 EIN VERGESSENES STEINZEUG

 

Nach dem Tod des Nachbarn, die Krugbäckerei wurde schon Anfang der fünfziger Jahre aufgegeben, konnten meine Frau und ich 1978 ein Teil des Areals erwerben. Bei der Rekultivierung des Garten fielen mir die riesigen Mengen an Tonscherben ins Auge. Nicht nur braune, d. h. Überbleibsel von Krügen, sondern auffallend viele graublaue Scherben. Nun ist Hillscheid auch in Fachkreisen lediglich als Krugbäckerdorf bekannt; andere Steinzeugarten und erst recht keine künstlerischen Arbeiten vermutet man hier nicht. Dass dies nicht der Wahrheit entspricht, belegte mein erster Fund, ein Zufallsfund in den achtziger Jahren. Ich entdeckte im Garten in ca. 50 cm Tiefe 2 graue Selterskrüge aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und einen der bekannten GR-Krüge ebenfalls aus dieser Zeit. („GR“ - das Monogramm des britischen Königs George Rex.)
Für mich eine Sensation und der Beginn einer rund 20 jährigen Grabungstätigkeit im gesamten Grundstücksbereich, bei der die Feuerzüge einer bisher unbekannten Ofenanlage aus dem 15./16. Jh., Frühsteinzeug aus dieser Zeit, aber auch besonders künstlerisch wertvolle Arbeiten überwiegend im Stil des Westerwälder Barocks zu Tage kamen. Meine Vermutung seit jeher bestätigte sich: Bei den Orten Hillscheid, Höhr und Grenzhausen gilt die gleiche Töpfertradition. Dementsprechend braucht es keine weiteren Beweise, lebten und arbeiteten doch in allen drei Dörfern die selben Töpfersippen.
Die Ergebnisse meiner langjährigen Grabungen mit vielen Bildern sind in dem Buch (VOM SCHERBEN ZUM KRUG) detailliert aufgezeichnet.
             

 
VOM SCHERBEN ZUM KRUG  

    

Meine neueste Veröffentlichung (VOM TÖPFER ZUM KRUGBÄCKER) behandelt die Krugbäcker und gibt diesem Handwerk, das rund 200 Jahre das Leben der Hillscheider mitprägte seinem ihm gebührenden Stellenwert.
     

 
VOM TÖPFER ZUM KRUGBÄCKER  

            

 



Die Grabungsstücke im Töpferhof und weitere Funde in und um Hillscheid sowie zahlreiche Steinzeugerwerbungen ergeben eine interessante und informative Ausstellung, die nach Absprache jeder Zeit zu besichtigen ist.