Hillscheid

Hillscheider Platt



Hillscheider Platt <Hillschender Platt> zählt zur mosel-fränkischen Sprachfamilie, deren räumliche Grenzen durchweg mit denen des ehemaligen kurtrierer Herrschaftsgebietes übereinstimmen. Der Sprachschatz dieses ungewöhnlichen wie bemerkenswerten Kulturkreises spiegelt die Lebensform und Lebensweise der Menschen vergangener Epochen in eindrucksvoller Weise wieder.  Wir finden Wörter und Begriffe, welche im Lateinischen - die Sprache der Römer - im Jiddischen, im Französischen wurzeln, aber auch Sprachrelikte aus Alt- und Mittelhochdeutschen, die im Neuhochdeutschen durch zeitbedingte Redeweisen weitgehende Veränderungen erfahren haben, doch in ihrer Ursprünglichkeit noch zu erkennen sind.

Die Mundart bewirkte früher eine Identifizierung der Bewohner mit ihrem Ort, mit ihrer Landschaft.

 

Hier startet die Hillscheider-Platt Serie:

(aus dem Buch "AEBBES IWERT HILLSCHENDER PLATT" von Otmar Menne)

 

Der Alltag 

 

dae Aale der schmale Durchgang zwischen zwei Gebäuden
(frühere Bezeichnung der Bergstraße)
die Äbbelkritze das Kerngehäuse und der Rest eines Apfels nach dem Verzehr
die Aerbelschellse die Kartoffelschalen
die Andunichkeit die Falschheit und Unehrlichkeit
die Andunichkeite
die Anwend die Wiesenfläche in einer Hanglage
die Anwends  
die Betz die Wiese (meist) hinterm Haus (>dat Betzepätche< ehemaliger schmaler Durchgang vom Töpferhof Menningenzur alten Kirche)
die Betze
dae Biervuul der Bierwärmer (Ein mit heißem Wasser gefülltes Röhrchen hängt man in das gezapfte Glas Bier zum Aufwärmen.)
die Bi'erviel
dat Bollesje der Arrestraum (kleines Dorfgefängnis)
die Bollesjer
dae Bond der Gugelhupf (traditioneller Hillscheider Sonntagskuchen)
dieBonde
dae Brabbes der Brei
die Brabbese
dae Dalles, dae Krach, die Erkältung (Ausgesprochen heißt es aber: >Ech hann
dae Pebs schwae de Dalles, de Krach, de Pebs.<
die Di'erschlenk die Türklinke
die Di'erschlenke
dat Dillche der kleine Tiegel
die Dillcher
dat Dimmelche das Däumchen
die Dimmelcher
dat Ditzje das Kleinkind, das Baby
die Ditzjer
dat Dobbelsteck die Doppelschnitte (zwei Scheiben Brot übereinander
die Dobbelstecker gelegt mit nur einem Belag)
dae Dopp, dae Dilldopp der Spielkreisel
die Doppe, die Dilldoppe  
dae Draebberling die Treppenstufe
die Dräbberlinge  
dat Elekdrischheysje das Transformatorenhaus kurz hinter dem Ortsende an
  der Straße nach Vallendar
dat Emsteck zwei übereinander gelegte Brotscheibenhälften mit Belag
die Emstecker  
dat Finzje der kleine Finger
die Finzjer  
dae Fissem die Fussel (z.B. ein Faserstückchen, störend an der
die Fisseme Kleidung)
dat Fizzelche der kleine Rest
die Fizzelcher  
dae Flätschert die Schleuder (Um die Enden einer fingerdicken Astgabel
die Flätscherte wurde ein ca. 1 cm breites und 20 cm langes Gummi-
  band gelegt und mit Draht befestigt. An die Bänderenden
  ein Stück Leder - Schuhlasche - ebenfalls verdrahtet. Mit
  runden Basaltkügelchen schossen die Burschen nun auf
  Spatzen und Fensterscheiben.)
dat Floss die Straßenrinne
die Flutsch der Flügel, der Arm (>en laame Flutsch< ein ausgerenk-
die Flutsche ter Arm)
dat Gebäbbel das Süße, nichts Herzhaftes
die Genählde die Genagelten (Es waren vom Schuster gefertigte hoch-
  schaftige Schuhe mit breitköpfigen Nägeln beschlagener
  Laufsohle. Der Vorteil: Man lief auf Eisen, schonte die
  teure Ledersohle. Selbst Kleinkindern verpasste man
  diese "gewichtigen" Schuhe.)
dae Gewerrervaedeeler der Hut (meist ein abgetragenes, altes Stück)
die Gewerrervaedeeler  
dae Giestehinnermich der Gehrock
die Giestehinnermiche  
dat Gemuggel die undurchsichtige, windige Angelegenheit
dat Hämmche das Eisbein
die Hämmcher  
   
   
   
dae Hausde der (Stroh)-Stapel (Nach dem Abmähen des Getreides
die Hausde wurden Garben gebunden und zum weiteren Trocknen zu
  >Hausde< aneinander gestellt. Eine hutförmig gebundene
  Garbe setzte man als Regenschutz oben auf.)
dat Heeft der Kopf
dae Huddel die Pfuscherei
dat Kabbesheeft der Kohlkopf
die Kabbesheefte  
dae Katzekopp der Katzenkopf (Ein kleiner Mörser, mit dem bei besonde-
die Katzekäpp ren dörflich-kirchlichen Festen wie Kirmes, Fronleichnam,
  Neujahr geböllert wurde.)
dae Kembel der kleine Teich oder Weiher (>Wäschekembel<, eine
  Distriktbezeichnung am Bachlauf unterhalb der Flur >Kil-
  wisch<, dem Römerturm gegenüber)
dat Kiaschtje das Brotende
die Kiaschtjer  
die Ki'er die Kurve
die Ki'ere  
die Kinchesbaas die Hebamme
die Kinchesbaase  
die Kleese die mit Regenwasser gefüllten Schlaglöcher in der Straße
die Klabber die Klapper (Nach dem Gloria in der Mese an Grün-
die Klabbere donnerstag verstummte die Orgel, und die Altarschellen
  wurden durch Holzklappern ersetzt. Bis zum Gloria in der
  Ostermesse gab's auch kein Läuten. "Die Glocken," so
  sagten die Alten, "sind nach Rom geflogen zum Brei-
  essen." Messdiener gingen an diesen letzten Kartagen
  durch den Ort und übernahmen mit ihren Klappern das
  gewohnte Gottesdienstläuten.)
dae Kläbber der große, schwere Kopf; auch als Bezeichnung oder
  Schimpfwort für einen Schlägertyp
dat Klausder das Vorhängeschloss
die Klausdere  
die Knuutsch die frühere Schamottefabrik Born & Comp.
  (Gelände vom heutigen SPAR-Markt bis zur Straße
  In den Buchen)
dae Kooblädder der Kuhfladen
die Koobläddere  
die Knaude die Hände
die Kneddele, Geylskneddele die Pferdeäpfel (Unmittelbar nach dem "Abwurf" auf die Dorfstraße nahm sich eine Menge Spatzen der "Sache an";
  sie scharrten und suchten nach unverdauten Haferkörnern.
  Gleichzeitig eilten Garteneigner mit Besen, Schaufel und Eimer herbei, um diesen wertvollen Dung für ihre Pflan-
  zen zu sichern.)
dae Kneritsch das Rübenkraut
dae Knuddel das Gewusel, das Gewirr
dae Krach der Lärm; bei Streit untereinander (auch für Erkältung)
die Kräch  
die Krei die Stelle zwischen zwei Schenkel (Y) z.B. Oberschenkel
die Krolle die Locken
die Kuascht die Brotkruste
die Kuaschte  
dae Kubbe der Haufen
die Kubbe  
die Kummerschaft die zwielichtige Kumpanei
die Kummerschafte  
die Leib'onnseelbox die Leib-und-Seele-Hose (Eine Kombination von Unter-
die Leib'onnseelboxe hemd mit langen Ärmeln und langbeiniger Unterhose. Sie
  war vom Hals bis zum Genitalbereich aufknöpfbar.)
dat Lustheysje die Gartenlaube
die Lustheysjer  
dae Macherluun der Macherlohn (Das Honorar der Näherin - den Stoff
  stellte man selbst.)
die Mä'erzbiese das Schneegestöber im März
die Maemm die Memme, das Euter; auch der Busen
die Maemme  
die Märwel, die Klicker die Murmel
die Meggeplädsch die Fliegenklatsche
die Meggeplädsche  
die Märwele, die Klickere  
dae Molderhoof der Maulwurfhügel ("Molter" althochdeutsch für Maul-
die Molderhähf wurf; auch "Mutta/Molda" für lockere Erde, Staub)
die Muddisch das Durcheinander (in der Wohnung)
dae Muggs der Laut (>kaene Muggs< für absolute Stille)
die Nähersch die Dorfnäherin
dat Negerche das Negerlein (Zu Weihnachten in der Kirche stand vorn
  an der Krippe das sogenannte >Heidekend<, ein kleiner
  kraushaariger Schwarzer in weißem Aba auf einer Spen-
  denschatulle montiert. Mit gefalteten Händen und mit
  unterwürfigem Kopfnicken bedankte er sich jedes Mal,
  wenn ein Kind sein Almosen - d.h. übersetzt "milde" Gabe - in den Spalt des Kastens warf. Ein diffamierendes Über-
  bleibsel aus der Kolonialzeit - zum Glück hat man die Fi-
  gur vor einigen Jahren entfernt. Sie war schon früher - ist
  aber erst recht heute - nicht mehr mit der unmissverständ-
  lichen und beschwörenden Botschaft des Kindes in der Krippe zu vereinbaren.)
   
   
dae Nischel der Kopf
die Nischele  
dae Noober der Nachbar
die Noobere  
dae Ollich das Speiseöl
dae Omendsmann der Abendmann (gemeint sind die Unbilden der Nacht;
  >dich helt der Omendsmann.< "dich holt der Abend-
  mann." Das Kind sollte abends frühzeitig, vor dem Dunkelwerden zu Hause sein.)
dat Ooles der Raum in einem uralten Gemäuer
die Pozze die Pickel
dae Praddel der Durchfall
dat Pulloch die Jauchegrube
die Pullecher  
die Puuz die Hupe
die Puuze  
dae Quadsch der Quatsch (ein Himbeersirup mit Wasser aufgemischt;
  >mi'er gien off de Hiddemill Quadsch trenke.< "wir
  gehen zur Hüttenmühle - Quatsch - trinken." Um 1900 war
  dies für die Kinder nach der Kirmes das Ereignis des Som-
  mers. Die Familie machte einen Sparziergang zur Hütten-
  mühle und in der Gartenwirtschaft gab's dann für die Ju-
  gend jene "köstliche" Erfrischung.)
die Quaellmänner die Pellkartoffeln
die Rabbelsmannskur das Asoziale
dae Raechner der Rechner (der Verwalter der Gemeindekasse)
die Raechner  
die Rille die Röteln
die Rood die Rute (Flächenmaß von 25 qm)
die Roore  
dä Rummelekopp der Rübenkopf (In eine ausgehöhlte Runkelrübe schnitten
die Rummelekäpp die Kinder von außen ein möglichst grimmiges Gesicht. Eine im Innern der Rübe platzierte Kerze sorgte dann für das Ausleuchten des Ganzen. - Alles erinnerte so ein biss-
  chen an Mummenschanz .- Trotzdem galten diese "Köpfe"
  noch bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts als die
  Laternen des Martinzuges.)
die Säsjes gekochte Kartoffeln mit einer Mehlschwitze als Soße
die Schäsjer die Schößchen (Zwei runde Brötchen zusammengebacken
  ähneln sie den Gesäßbacken.)
dat Scheff das Schiff (Bei alten Küchenherden hatte man oberhalb des Rauchabzuges ein Wasserbecken eingelassen, und so
  stand der Hausfrau ständig heißes Wasser zur Verfügung.)
   
   
dae Schie der Bratensaft (Die Fettrückstände der fertigen Bratwürste
  bereitete man mit zerlassener Butter in der Pfanne auf, und
  gab sie als Soße über die Salzkartoffeln, das Kirmesessen.)
dae Schlau der (Heu)-Strang/Schlauch (Das getrocknete >Hei< Heu
  oder der >Groomich< das Grummet wurden für den Ab-
  transport mit dem Rechen zu ausgedehnten Schlangenhau-
  fen zusammengeharkt. Nun fuhr das Fuhrwerk entlang und
  mit Heugabeln lud man das Viehfutter für den Winter auf.)
dae Schleggs der Schluckauf
die Schlepp der breite und zugige Durchgang zwischen zwei Häusern
  oder Mauern
dae Schlibber der Schnuller
die Schlibbere  
dae Schliwwer der Splitter (Holz)
die Schliwwere  
die Schliwwercher die Splitterchen (Dünne Holzstreifen, von einem Fichten-
  scheit abgespalten, brauchte man zum Feueranzünden.)
dae Schluus das Kartoffelpüree mit Sauerkraut vermischt (siehe auch
  bei Abschnitt "Euler")
dat Schmaer die Marmelade (von schmieren - aufs Brot schmieren)
die Schmärch die Zigarette
die Schniss der Mund (eher Schnauze)
dae Schnull die Nase läuft (Nasenschleim); auch die Popel (verhärteter
die Schnill Nasenschleim)
dae Schoss das Gesäß
die Schronne die Schrunden (Hautrisse)
dae Schweere das Geschwür
dae Sell der Speichel
die Selle  
die Sick der Urin
dae Siggeler der Penis; auch der Urinierende
die Siggeler  
die Souere die Saueren, der Kartoffelsalat
dae Speelstein das Spülbecken (früher ein ausgehöhlter Stein)
die Speelstaen  
dat Steck das Stück; auch eine Scheibe Brot mit Belag (>e Schmär-
die Stegger steck< ein Marmeladenbrot); auch für Land (Feld)
dae Steinollich das Steinöl, das Petroleum für die Öllampe
  (Ein Hillscheider kam eines Tages in >Hi'edersch Laare<
  und wollte nun unbedingt bei der Bestellung seine Welt-
  offenheit zeigen, reichte also seine leere Ölkanne über die
  Theke: >"Juhann, geff ma mo enn Schobbe - Paet? - Paet?
  - Paet? - badscheiß, Steinollich!"<)
   
   
dat Stobbegaeld das Stopfengeld, das Korkengeld (Bei Tanzabenden in der
  Zeit vor der Währungsreform (1948) brachten die
  Besucher ihren erhamsterten Wein selbst mit und zahlten
  pro Flasche (Korken) einen Obulus an den Wirt, dessen
  Alkoholbestände den Bedarf einer solchen Veranstaltung
  noch nicht decken konnten.)
die Strech die Striche, die Milchzitzen beim Vieh
die Stuff, die Goodstuff die Stube, die Gute Stube (Wohnzimmer)
dat Stiffje das Stübchen
dae Sudder das bittre Tabak-Speichel-Gemisch der Pfeife
dae Trebs der Tropfen
die Trebse  
die U'erz der Rest (Brot- oder Essensreste)
die U'erze  
dae Ulles der Kopf, der Hut
die Ullese  
die Vaewarschuul die Verwahrschule, der Kindergarten
dat Vi'erdel das Viertel, (>E Vi'erdel Bodder< ein Viertel, d.h.
die Vi'erdele 125 Gramm Butter, eine größere Menge konnte sich eine
  Durchschnittsfamilie bei ihrem Wocheneinkauf nicht
  leisten.)
dat Vi'erdelche das Viertelche (Wein)
die Vi'erdelcher  
dae Vuuler der Wühler (Jemand, der zu viel arbeitet.)
die Vuuler  
dat Waedigo das Vertiko (Nach seinem Erfinder "Vertikow" benannter
  und reichlich verzierter Schrank mit Aufsatz. Der Traum
  jeder jungen Hausfrau Ende des 19. Anfang des 20. Jahr-
  hunderts; oftmals blieb jedoch dieses Möbel der gehobe-
  nen Klasse halt eben nur ein Traum.)
dae Waessisch die Molke
die Waeh am Oh das Gerstenkorn am Auge
dae Waehs der Weizen
dae Wissbomm der Wiesenbaum (Eine ca. 10 cm dicke und knapp 5 m
  lange Fichtenstange wurde in Fahrtrichtung mittig auf
  den mit Heu oder Grummet beladenen Wagen gelegt. An
  beiden Enden befestigte man nun Stricke, zog das Ganze
  nach unten - presste es somit zusammen - und verzurrte
  die Seile meist am Wagenboden.)
die Zickel der Tannenzapfen (Kinder sammelten die Zapfen im Wald
die Zickele in Jutesäcke; man verwendete sie zum Feueranzünden.)

Erweiterung

 

Schimpfwörter

 

enn Aedabesser ein Nörgler, der, obwohl er meist Unrecht hat,
  weiter nörgelt
enn Ämmes ein großer Kerl; auch ein großes Etwas
enn Baareschesser ein Topfscheißer, der sein "Geschäft" auf dem Nachttopf
  erledigt
enn Blezzer einer, der ständig rein und raus läuft und die Tür stets
  offen lässt
enn Braddeler ein unkonzentrierter Mensch
enn Dabbes ein Dummer, ein Blödmann, ein Ungeschickter
enn Dollbohrer ein Tollpatsch (>En Doll< nannte man einen Holznagel,
  mit dem Fachwerke verbunden bzw. verfestigt wurden.
  Der Lehrling hatte die Aufgabe, die dafür vorgesehenen
  Löcher in die Balken zu bohren - er, der >Dollbohrer<.)
enn Dreidroot ist dafür, dass er dagegen ist
enn Dosterpitter ein tatteriger Greis
e Droonsloch ein lustloser Mensch mit Nullbock
enn Fäges ein grober, brutaler Mensch
enn Flaadsch ein großer Brocken
enn Flabbes ein Tunichtgut
enn Flibbes ein gutgenährter junger Mann
enn Glowe ein Grobian
enn Hosbes ein umständlicher Mensch
enn Kabbähnes ein Mann mit enormer Körperfülle; auch für Gegenstände
e aal Kamuffel ein alter Narr (aber liebevoll gemeint)
enn Kleefbox einere, der nicht nach Hause geht (Kneipe)
enn Knelles ein Verstockter
enn Klotzkobb ein starrsinniger Kerl
enn Knosterpitter einer, der herumtüftelt
enn Knubbe ein kleiner, etwas dicklicher Mensch; auch für einen
  großen, runden Gegenstand, Brocken
  (>dä Knubbe<, Jakob Stotz, ein Hillscheider Original
  des 20. Jahrhunderts)
enn Laages ein langer Kerl
enn Labbaasch ein charakterloser Mensch
enn Labbes ein liederlicher Mensch
enn Losslerri'er ein alter Junggeselle
enn Melljerd ein unmöglicher Zeitgenosse; auch männlicher Hering
  (Die Sperrmastränge - Milchner - dieser Fische wurden
  durch ein Sieb gedrückt und mit Milch oder Sahne zur
  Soße der eingelegtenHeringe aufbereitet. Aber auch die
  gesäuberten Rogen - Eier - gab man in die Tunke. Einge-
  legte Heringe mit Pellkartoffeln, für viele Zeitgenossen
  heute fast eine Delikatesse, zählte früher zu den "Arme-
  Leute-Essen.)
enn Onducht ein Nichtsnutz
enn Plähzer ein Schreihals
enn Prozaesshannes jener prozessiert schon bei Nichtigkeiten (sehr unbeliebt)
enn Raddeler ein Vielschwätzer
enn Räffdreier ein Schreihals, Großmaul
enn Rigges ein großer, tollpatschiger Kerl
enn Scheffschoogelbraemser ein Schiffschaukelbremser, ein undurchsichtiger Typ, dem
  man mit Vorsicht begegnen sollte
enn Schoude ein Maulheld, den man nicht ernst nimmt
enn Schrähsel ein niederträchtiger Mensch
enn Schwaadlabbe ein Aufschneider (vgl. "Schwaderlapp" - Lappenschwa-
  der - der in Ransbach-Baumbach anzutreffende Namen
  entstammt einer Raerener Töpferfamilie, die um 1600 ins
  Kannenbäckerland übersiedelte.)
e Schwittche ein Bruder Leichtfuß
enn Selles ein sehr alter und kranker Mann (Er hat seine Spucke nicht
  mehr unter Kontrolle.)
enn Trebsdrelles ein nicht ernst zu nehmender, bescheuerter Mensch
enn Souniggel ein schweinischer Kerl
enn Spetzglegger ein Neunmalkluger
enn Zebbedä'us ein umständlicher Mensch, ein Erbsenzähler
   
enn Freebi'er eine Frühbirne, ein früh entwickeltes Mädchen
enn Fri'erhutsch eine immer fröstelnde Person
enn Iwwergescheyde eine sehr berechnende Frau
enn Fuchtel ein vergnügungssüchtiges Weibsbild
enn Hinnerwense eine verschlagene, falsche Person
e Kabbesscheysel ein Kappesscheusal, eine Vogelscheuche
e Kalf ein Kalb, eine dumme. tollpatschige Frau
e Knusseldi'er eine unsaubere Frau
enn Lafumm eine mehr als korpulente Frau
e Liss ein leichtlebiges Mädchen
e Maensch ein Frauenzimmer
e Märasche ein Mädchen
e Oozd ein faffiniertes Weib
enn Ruschbel eine wild-verrückte Maid
enn Sarah ein Frauenzimmer mit Flausen im Kopf, eine "Verrückte"
e Schindlurrer eine vorlaute, freche Person
e Schinn'ozd eine gewitzte Frau
e Schraudhoon das Gegenteil von einer rassigen Frau
e Steiflerrer ein träges, unbewegliches Weibsstück
enn Tänschel eine Wehleidige
enn aal Täsch eine nicht mehr junge Frau, die sich mit ihrem Alter noch
  nicht abfinden kann
enn Trätsch eine geschwätzige Person
e Trambeldi'er ein Trapeltier, ein plumpes Weibsbild
e glitzeglänisch  
Weywermaensch ein temperamentvolles Weibsbild; auch zänkisch
enn Wissbel ein lebhaftes Mädchen; auch Kind
   
enn Kwand ein kleiner Junge
enn Strobb ein kleiner Junge; auch für Durchziehgummi

Feld und Waldfrüchte

 

die Aerbel; die Aerbel (Aerbele) die Kartoffel
die Bodderbloom; die Bodderbloome die Butterblume, der Löwenzahn
die Ember; die Embere die Himbeere
dat Faa das Farn
die Frucht die Frucht, das Getreide
dat Gadimmelche; die Gadimmelcher die Mirabelle
die Gaeschdekaeh die Gerstenkörner, die Graupen (Dabei fällt mir ein herzhaftes und besonders schmackhaftes Hillscheider Gericht ein. Ich kann es bis zu meiner Uroma - Anna Knöllinger 1851-1942 - zurückverfolgen, aber sicher ist es noch älter.)
die Gaeschdekaehsobb die Graupensuppe (Die Zutaten für vier Personen: 500 g geräucherter und durchwachsener Speck, 120 g Grau- pen, 1 Bund Suppengrün (Möhren, Sellerie, Lauch), 2 dicke Karoffeln, 1 große Zwiebel, 2 Knoblauchzehen (eine Kann- zutat), 1,5 L Fleischbrühe, Salz, Pfeffer, Muskat. Zum Garnieren Petersilie und dünne Lauchstreifen. Die Zubereitung entspricht der eines ganz normalen Ein- topfs, wobei man Kartoffeln, Möhren und Sellerie sehr klein würfeln sollte.)
die Gugggugsbloom; die Guggugsbloome das Buschwindröschen
die Gunkeier der Sauerampfer
die Hanskatrunchel; die Hanskatrunchele die Stachelbeere
die Hunsviul; die Hunsviule das Hundsveilchen (ein nicht duftendes Veilchen)
die Irbel die Irbele die Erdbeere
dat Juckpolver das Juckpulver (Auf den Samenkörner der Hagebutten- früchte befinden sich ganz zarte Härchen, die, wenn sie mit der Haut in Berührung kommen, eine sehr starken Juckreiz auslösen. Die Burschen steckten sie den Mädels in den Rückenausschnitt der Kleider.)
dat Kaaf das Kaff (Ährenrückstände nach dem Dreschen)
die Käsbloom das Wiesenschaumkraut
die Krotz herablassende Bemerkung über ein kleines Kind
die Krotze im Plural auch für sehr kleine Kartoffeln
die Kummer; die Kummere die Gurke
dat Mä'erzblämche; die Mä'erzblämcher der Huflattich
die Mausuur der Mausohr-, der Feldsalat
die Owerkollraawe die Kohlrabis
dat Rimmelche die Rimmelcher die kleine Rübe
die Rummel die Rummele die Runkelrübe
die Saeng'ässele die Brennesseln
dae Spless die Splesse der Spelz (Getreidekornhülle)
dat Treyfje; die Treyfjer die Johannisbeere
die Wasserlaatsch; die Wasserlaatsche die Reineclaude
dae Wesch der Gemeine Beifuß ( Dieses ca. 1 m große und überwie- gend an Feldwegen und Böschungen anzutreffende Wild- kraut wurde am 15. August zu Mariahimmelfahrt in der Kirche gesegnet. Es sollte vor häuslichem Unheil schützen.)
die Worbel die Heidelbeere bzw. die Blaubeere (Hillscheider Frauen boten auf den Märkten in Vallendar und Koblenz ihre ge- sammelten Waldesfrüchte lauthals mit "Beere, Beere" an. Daraus wurden die "Hillscheider Bee(ä)ren".)

Tiere im Wald und Feld

 

die Atzel;
die Atzele (Plur.)
die Elster
 
dae Deggkobb;
die Deggkäpp
die Kaulquappe, auch verdreht sein, den Kopf aufsetzen
 
dae Durevuul;
die Dureviel
das Käuzchen (Bei Schwerkranken brannte nachts das Licht, dadurch wurde der Waldkauz angelockt und sein "Ki-witt" deuteten die Leute mit >gie med< "geh mit"
dae Gawelhawey;
die Gawelhaweye
der Milan
dae Gillerling;
die Gillerlinge
der Pirol
dae Gillschnerrer;
die Gillschnerrere
der Feuersalamander
dae Haeggebogg;
die Haeggebegg
die Zecke
dae Heihebber;
die Heihebbere
die Heuschrecke
die Hoorgans;
die Hoorgäns
der Kranisch
die Hoorlätz;
die Hoorlätze
die Hornisse
die Hutsch;
die Hutsche
die Kröte; auch für das kleine Mädchen bzw. jüngere Schwester
dae Huubaener;
die Huubaener
der Weberknecht (Hochbeiner, Spinnentier)
die Keewätz;
die Keewätze
der Maikäfer
die Limmes;
dat Limmeje;
die Limmese;
Die Limmesjer
die Ziege, das Zieglein
dieMaagroof;
die Maagrowe
der Eichelhäher
die Mähl;
die Mähle
die Amsel
das Moddergoddesdi´erche;
die Moddesgoddesdi´erche
der Maikäfer
die Nugges;
die Nuggese
das Schwein
die Oomätzel;
die Oomätzele
die Ameise
dat Pilche;
die Pilcher
das Küken (wahrscheinlich Verkleiernung von franz. „poule“ für Henne
dae Stuusvuul, dae Quätschert;
die Stuusviel, die Quätscherte
der Habicht
dae Summervuul;
die Summerviel
der Schmetterling
dae Ureschläpper;
die Ureschläppere
der Ohrenkneifer
dae Vuul;
die Viel
der Vogel

Werkzeuge und Geräte

 

die Blaut; die Blaute das Brotmesser (event. von engl. "blade" für Schneide, Messerklinge)
dat Bleidche; die Bleidcher das Küchenmesser
dae Blooch; der Pflug
die Draeggschebb; die Draeggschebbe das Fegeblech
die Drummsee; die Drummsee'e die Baumsäge (Diese Großsäge mit je einem Holzgriff an den Enden verlangte zwei Waldarbeiter zum Fällen eines Baumes.)
die Ell; die Elle die Elle (Aus dem früheren Längenmaß wurde ein Maßstab aus Holz mit einer 50-Zentimeter-Aufteilung; vor der Maßskala eine Daumeneinkerbung zum Festhalten der Messware z.B. Stoffe, Bänder.)
die Graafscheb; die Graafschebbe der Spaten
die Häb; die Häbe das Haumesser (ein halbrundes, beilartiges Werkzeug zum Ausdünnen von Hecken und zum maßgerechten Behnacke von Zweigen, zwecks Binden von >Schänzjer< Äste- bzw. Zweigegebinde zum Anheizen des Backofens)
die Hau; die Haue die Hacke mit vollem Schild
dae Kaascht; die Kähscht die Hacke mit drei Zähnen
die Kirm; die Kirme die Kette
dae Kräft; die Kräfte die Gabel mit stabilen Zähnen zu 90 Grad abgewinkelt (im Gegensatz zur Heugabel mit geraden Zähnen)
die Liem; die Lieme die Zugleine
die Mann; die Manne der Korb (ein großvolumiger Weidenkorb mit zwei sich gegenüberstehenden Tragegriffe an der Seitenwand)
die Mool; die Moole die Holzwanne (Der Bäcker bereitete darin seinen Brotteig, und bei einer Hausschlachtung entborstete und säuberte der Metzger in der >Mool< unter Zugabe von heißem Wasser das zuvor getötete Schwein.)
dae Räsbel; die Räsbele der Korb (ein kleiner Weidenkorb mit Bügelhenkel)
die Schlaa; die Schlaa'e der Zuschlaghammer (u.a. ein schweres Schmiedewerkzeug mit langem Stiel)
dat Schlodderfass; die Schlodderfässer das Wetzsteinfass (Das hölzerne, mit Wasser gefüllte Gefäß wurde zum Schärfen der Sense beim Mähen am Hosenbund befestigt.)
die Schmegg; die Schmegge die Peitsche
die Spängel; die Spängele die Stecknadel
dae Speysvuul; die Speysviel die Mörtelbütte (Das schmale, wannenförmige Gefäß aus Zinkblech ruhte auf einem Dreifußgestell in Schulterhöhe. Mit Mörtel befüllt - ca. 30 bis 40 Kg. - trugen es >Handlanger< - ungelernte Bauarbeiter - anschließend zu den Arbeitsbereichen innerhalb der Baustelle.)
die Traufel; die Traufele die Mörtelkelle

zusammengetragen von KarHeinz Gerharz

 

gemorje guten Morgen  
gore guten Tag  
genomend guten Abend  
Hei Heu Der 1. Grasschnitt
Gromisch Grummet Der 2. Grasschnitt
Schouwa Scheune  
Rägeläise Ein ca 50 cm langes Eisen, welches vor gebogen war.  
Dumme Daumen  
Fees Füße  
Bännsel Pinsel  
Däggebirscht Deckenbürste  
Schoh Schuhe  
Schtremmp Strümpfe  
vertriehn vertragen  
Rähn Regen  
et rähnt es regnet  
  Die Wochentage An welchen Tage
Monisch Montag Mooniss
Dennsdisch Dienstat Dennsdiss
Mettwisch Mittwoch Mettwiss
Donnersdisch Donnerstag Donnersdiss
Freilisch Freitag Freiliss
Sammsdisch Samstag Sammsdiss
Sonnisch Sonntag Sonniss

 

Es bedarf aber noch die Erläuterung dazu.

1. Rägeleisen

ist eine ca 1cm dicke Eisenstange, ca 50 cm lang und vorn ca 10 cm gebogen.
Damit wurde die Glut im Herd geregelt, damit man wieder Holz oder Briketts auf die Glut legen konnte.

2. Hei

Das ist der erste Grasschnitt. Er wurde nach dem Schnitt mit einem Holzreche gewendet, damit er von der Sonne getrocknet werden konnte.
Wenn er trocken war wurde aus Gras Heu

3. Gromisch

ist der 2. Schnitt. Das Gras wurde nicht so hoch wie beim 1. Schnitt der Werdegang war genau bei Heu. Dann war es Gromisch